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Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Frequently Asked Questions

Allgemein

Was ist die FEBEA und warum ist die Genossenschaft Mitglied?

FEBEA ist die Europäischen Föderation der Ethischen und Alternativen Banken (FEBEA - Fédération européenne de Finances et Banques Étiques et Alternatives) mit Sitz in Brüssel. Sie hat 29 Mitglieder in 17 Ländern. Die FEBEA betreibt Lobbying für eine Vereinfachung der Regulierung für Finanzdienstleister mit sozial ethischem Engagement. Für die Genossenschaft hat die Mitgliedschaft eine positive Bedeutung, da FEBEA fortan mit Netzwerken, Know-how und nicht zuletzt finanzieller Unterstützung die Entwicklung des ethischen und sozialen Bankings der Genossenschaft für Gemeinwohl begleiten wird.
Blog-Beitrag zum Beitritt im Mai 2017

www.febea.org

Wozu die Genossenschaft?

Die Genossenschaft möchte einen Wandel im Finanzwesen bewirken. Dafür gibt es drei Ansatzpunkte:

Wie wird in der Genossenschaft für Gemeinwohl Partizipation gelebt?

Wir sind prinzipiell bestrebt, jedem interessierten Menschen zu ermöglichen, sich an der Umsetzung der Genossenschaftsziele zu beteiligen und sich in operative Entscheidungsprozesse als Projektaktive*r einzubringen, und zwar unabhängig davon, ob die Person Genossenschaftsanteile besitzt oder nicht. Grundsatzentscheidungen (wie z.B. Satzungsänderungen) bleiben den Genossenschafter*innen im Rahmen der Generalversammlung vorbehalten.

Was versteht die Genossenschaft für Gemeinwohl unter Transparenz?

In der Genossenschaft ist höchstmögliche Transparenz gegeben. Es gilt das Bestreben, alle Informationen allen Aktiven zugänglich zu machen. Entscheidungen treffen und veröffentlichen wir immer so, dass es allen Aktiven möglich ist, sich in Entscheidungsprozesse einzubringen bzw. sich jederzeit über getroffene Entscheidungen zu informieren. Auch nach außen geben wir tranparent weiter, was bei uns passiert. Du kannst unsere Jahresabschlüsse, Revisionsberichte und Transparenzberichte hier einsehen.

Wie reagiert das bestehende Bankenumfeld auf die Genossenschaft?

Die Genossenschaft steht von Anfang an in Kontakt mit einigen alternativen Banken (GLS in Deutschland, Freie Gemeinschaftsbank in Basel/Schweiz) und ist bereit zur intensiven Kooperation im Sinne des Gemeinwohls. In Österreich wurde seit gut 20 Jahren keine neue Bank mehr gegründet, und unsere Weg über den Konzessionsantrag als Zahlungsinstitut ist bisher einzigartig in der Geschichte. Folglich stellen wir einige Institutionen, mit denen wir zusammenarbeiten müssen vor neue Herausforderungen. Unser Konzessionsantrag für ein Zahlungsinstitut wurde von der Österreichischen Finanzmarktaufsicht (FMA) nach einem 10-monatigen Behördeverfahren, das aus unserer Sicht nicht fair gelaufen ist, im Juni 2018 abgelehnt. Hier kannst du nachlesen, was passiert ist.

Warum unterstützt die Genossenschaft, auf die Sparzinsen zu verzichten?

Wir stellen rund um das Thema Zinsen folgende Zusammenhänge her, die wir als Grundlage für die Einladung zum Zinsverzicht heranziehen:

 

1. Auseinanderdriften von Real- und Finanzwirtschaft
Seit Mitte der 80er-Jahre expandierten die Finanzmärkte wesentlich rascher als der Warenhandel und die weltweite Güterproduktion: Heute beträgt das globale Finanzvermögen weit mehr als das 3-fache des weltweiten Bruttoinlandsproduktes, also des Gesamtwertes aller produzierten Waren und Dienstleistungen. Woher kommt dieses viele Geld, das keine realwirtschaftliche Basis mehr hat? Überwiegend handelt es sich um reine Finanztransfers, Kapital, das vor allem auf der Suche nach kurz- und langfristigen Anlagemöglichkeiten ist – und das durch Zinsen immer weiter anwächst. Dieses Zinssystem ist schon heute Ursache von Geldwertschwankungen und erhöhter Krisenanfälligkeit. Denken wir die aktuelle Entwicklung weiter: Wenn das Geldvermögen die zehnfache Größe der realen Wirtschaftsleistung erreicht, bräuchte es für eine fünfprozentige Verzinsung bereits die Hälfte der Wirtschaftsleistung (50% des BIP). Ist das Finanzvermögen dereinst 100mal so groß, würde ein Verzinsungsanspruch von nur einem Prozent erfordern, dass die gesamte Weltwirtschaftsleistung – das globale Einkommen eines Jahres – dafür aufgewendet werden müsste, diesen Verzinsungsanspruch zu erfüllen. Die Erwerbsarbeit würde zur Gänze zur Bedienung von Zinsansprüchen aufgehen. Rendite auf Vermögen würde das gesamte produktive Einkommen übertreffen.

 

2. Zinsen führen zu ungerechter Verteilung.
Der Großteil der Bevölkerung zahlt mehr Zinsen, als er erhält: 80-90% der Bevölkerung verlieren durch das Zinssystem. Zinsen sind nur „sichtbar“, wenn wir sie auf dem Sparbuch erhalten, aber nicht, wenn wir sie zahlen – sie stecken in den Gütern des täglichen Gebrauchs und übersteigen die Sparzinsen bei weitem. Die Profiteur/-innen dieser „unsichtbaren“ Zinsen sind aber nicht die breite Masse der kleinen Sparbuchbesitzer/-innen, sondern jener Teil der Bevölkerung, der den Großteil der Zinseinkommen bezieht, weil sie den Großteil der Vermögen besitzt. So finanziert die Mehrheit fast unbemerkt den Reichtum von Wenigen.

 

3. Sparzinsen wirken volkswirtschaftlich negativ, weil sie die Kredite verteuern.
Systemisch vorteilhafter sind niedrige Spar- und Kreditzinsen, weil Unternehmen mehr (real) investieren, was mehr Arbeitsplätze schafft und höher Arbeitseinkommen ermöglicht. Systemisch und für die meisten Menschen sind Arbeitsplätze, Einkommen und ein lebenswertes Umfeld wichtiger als Sparzinsen. Beim Entfall von Sparzinsen wären Kreditzinsen nur noch in dem Ausmaß nötig, dass die Bank ihre Betriebskosten, Risikovorsorgen und den Eigenkapitalbedarf decken kann: Kredite würden günstiger werden.

 

Zwei Banken praktizieren aus diesen oder ähnlichen Gründen bereits einen freiwilligen Zinsverzicht:

 

Freie Gemeinschaftsbank (erste Alternativbank in der Schweiz, Gründung 1984): 16% der Kundinnen und Kunden entschlossen sich bereits zum vollständigen Zinsverzicht.

 

GLS-Bank (erste sozial-ökologische Universalbank der Welt, Gründung 1974 in Deutschland)

Warum wollte die Genossenschaft eine Bank für Gemeinwohl gründen?

In seiner jetzigen Gestalt ist das Finanzsystem krisenbehaftet und beinhaltet hohe Risiken – nicht nur für die Finanzinstitutionen selbst, sondern für die gesamte Gesellschaft. Hier erleben wir zur Zeit wenig Vertrauen in die langfristige Lösungskompetenz von Politik, Wirtschaft und Finanzsektor, wohingegen das Bedürfnis nach vertrauensvollen Beziehungen im Wirtschaftsleben gerade auch in Bezug auf Bankgeschäfte wächst.

 

 

Die Genossenschaft ist entstanden, um eine konkrete Handlungsalternative im aktuellen Geld- und Finanzsystem schaffen. Das sollte durch die Gründung einer ethische Alternativbank möglich gemacht werden. Anliegen dieser ursprünglich geplanten Bank für Gemeinwohl wäre es, schlicht Spareinlagen, Kreditvergabe und Zahlungsverkehr anzubieten. Die Ausschüttung von Finanzgewinnen an ihre Mitglieder oder hohe Zinsen für ihre Sparerinnen und Sparer wären hingegen erklärte „Nicht-Ziele“.
Diese Bank würde zum Verwirklichen nachhaltiger Projekte beitragen, die die Regionen wirtschaftlich, kulturell, sozial und ökologisch zum Blühen bringen. Dies entspricht unserem Verständnis von „dem Gemeinwohl dienen“. Aufgrund der Ablehnung unseres Konzessionsantrags für ein Zahlungsinstitut durch die FMA im Juni 2018 konnten wir den ersten Schritt in Richtung Bank für Gemeinwohl nicht nehmen und verfolgen aktuell nicht das Ziel einer Bankgründung.

 

Unsere Vision für die ursprünglich geplante Bank für Gemeinwohl:

  • Wir fördern vorrangig soziale und ökologisch nachhaltige Vorhaben durch günstigere Kredite.
  • Wir verzichten auf reine Finanzgeschäfte ohne realwirtschaftlichen Hintergrund und bieten keine spekulativen Produkte an.
  • Wir laden zum freiwilligen Zinsverzicht zugunsten förderungswürdiger Projekte ein.
  • Wir achten auf Transparenz – besonders bei der Kreditvergabe, der Gehaltsstruktur und den Kosten der Bank.
  • Wir informieren aktiv über Geld-, Banken- und Finanzsystem und setzen uns dafür ein, dass diese langfristig dem Gemeinwohl dienen.
  • Wir achten auf wertschätzende und lösungsorientierte Beratung im Sinne unserer Kundinnen und Kunden.
  • Wir machen das Mitgestalten über soziokratische Strukturen möglich – im Selbstverständnis einer zivilgesellschaftlichen Initiative.

 

Wer steht hinter der Genossenschaft?

Wir sind eine zivilgesellschaftliche Initiative, die im Jahr 2010 tatsächlich von einer kleinen Runde in einem Wiener Kaffeehaus ins Leben gerufen wurde.
Träger und Visionsgeber des Projekts war bis Ende 2014 der „Verein zur Förderung und Gründung einer Demokratischen Bank“ mit fast 600 Mitgliedern. Seit 2015 trägt die „BfG Eigentümer/-innen und Verwaltungsgenossenschaft eG“ das Projekt. Die Organisation als Genossenschaft ermöglicht es allen Bürger*innen, sich aktiv am Wandel des Wirtschafts- und Finanzsystems zu beteiligen. Gemeinsame Meinungsbildung und Entscheidungsprozesse sind essentieller Bestandteil unserer Unternehmenskultur. Entscheidungen werden nicht nach dem Mehrheitsprinzip, sondern nach dem geringsten Widerstand getroffen. Jede*r der ca. 6.000 Genossenschafter*innen hat eine Stimme, unabhängig von der Höhe der erworbenen Anteile.

Genossenschaftsmitgliedschaft

Sind mit der Mitgliedschaft in der Genossenschaft zusätzliche Kosten verbunden?

Zum jetzigen Zeitpunkt: Nein.

Es gibt satzungsgemäß die Möglichkeit, ein einmaliges Eintrittsgeld (Aufgeld, Agio) und/oder eine jährliche Mitgliedsgebühr festzulegen. Der aktuelle Genossenschaftsvorstand hat nicht vor, einen Mitgliedsbeitrag einzuheben, und er wollte in dieser Frage langfristig für Kontinuität sorgen. Deshalb wurde bei der Generalversammlung am 9. Oktober 2015 beschlossen, dass ein Mitgliedsbeitrag, sollte ein neu gewählter Vorstand ihn einheben wollen, die Höhe von EUR 15,- pro Jahr nicht übersteigen wird. 

Aufgeld ist zum jetzigen Zeitpunkt ebenfalls nicht vorgesehen und wird auch – sollte es jemals beschlossen werden – nicht nachträglich eingefordert.

Wenn ich meine Mitgliedschaft in der Genossenschaft beenden möchte, bekomme ich dann mein Geld zurück?

Genossenschafts-Anteile können übertragen werden. Entnommen werden können sie nur dann, wenn sie das Projekt (und später die Existenz der Bank) nicht gefährden. Das bedeutet aus heutiger Sicht, dass Rückzahlungen laut Satzung erst nach Erreichen von 10 Mio. EUR Genossenschafts-Kapital erfolgen können.

Welches Risiko trage ich als Genossenschaftsmitglied?

Wir fassen die Situation aus heutiger Sicht zusammen: Im Fall, dass es nicht zur Bankgründung kommt, wird etwaiges nach Aufbringen der Vorgründungskosten verbliebenes Kapital anteilsmäßig auf die Genossenschaftsmitglieder aufgeteilt. Bei Bankgründung bist du mit deinem Anteilskapital automatisch Genossenschafter/-in der Bank für Gemeinwohl und gehst, wie bei jeder anderen privaten Genossenschaftsbank, nur hinsichtlich einer Insolvenz ein Risiko ein.

Grundsätzlich gilt (ob vor oder nach Bankgründung): Rechtlich gesehen haftet jede/-r Genossenschafter/-in für die Verbindlichkeiten der Genossenschaft im Falle der Liquidation oder Insolvenz mit ihren/seinen Geschäftsanteilen und einem weiteren Betrag in derselben Höhe (= „Nachschusspflicht“). Beispiel: Wenn du Anteile über 500,- EUR gezeichnet habst, kann es im schlimmsten Fall sein, dass du nochmals 500,- EUR nachschießen mußt.

Bezüglich der Haftungspflicht sind außerdem noch zwei Aspekte zu beachten:

a) Hat ein Genossenschaftsmitglied einzelne oder alle seine Genossenschaftsanteile einem anderen übertragen, so haftet es hinsichtlich der übertragenen Geschäftsanteile für den Fall, dass der auf seine/-n Rechtsnachfolger/-in entfallene Nachschussbetrag von dieser/diesem nicht eingebracht werden kann. Diese subsidiäre (nachrangige) Haftung besteht für einen Zeitraum von drei Jahren (dies entsteht aus §83 Abs. 2 des Genossenschaftsgesetzes).

b) Tritt ein Genossenschaftsmitglied aus, so haftet es (als Altmitglied) für einen Zeitraum von drei Jahren mit maximal der geleisteten Einlage sowie nochmals einem Betrag in derselben Höhe (§78 des Genossenschaftsgesetzes).

An wen wenden?

Wo finde ich welche weiterführenden Informationen?

Allgemeine Kontaktaufnahme:
Alle Möglichkeiten der Kontaktaufnahme findest du unter hier

 

Unsere Informationskanäle:

 

Presse- und Interviewanfragen:
Mit Fragen nach Hintergrundinformation dich bitte an medien@mitgruenden.at. Unser Team für Öffentlichkeitsarbeit unterstützt dich gerne.
Frei verfügbares Bildmaterial bieten wir unter „Download“ und im Pressebereich unserer Website an. Solltest du für deinen Bericht über die Genossenschaft für Gemeinwohl mehr Bildmaterial wünschen, wenden dich bitte ebenfalls an medien@mitgruenden.at. Das ist auch der passende Kontakt für Fotograf*innen und Filmteams. Eine etwaige Verwendung aller übrigen Fotos und Grafiken auf der Website bitten wir dich – der Fairness halber – ebenfalls dort abzuklären.

 

Vortragsanfragen:
Wenn du mit einer Gruppe von Interessierten gerne mehr erfahren möchtest, freuen wir uns, wenn du Referent*innen zu einem Vortrag einlädst. Bitte schreibe an referentinnen@mitgruenden.at, wann, wo, vor wem und ungefähr vor wie vielen Personen du dir einen Vortrag wünschst. Wir treten bezüglich der Details mit dir in Kontakt.

 

Mitarbeitsanfragen:
Interessierte an einer ehrenamtlichen Mitarbeit können sich unter Angabe ihrer Interessen und Fähigkeiten an mitarbeit@mitgruenden.at wenden.

 

Regionalgruppen:
In den Regionen besteht die Möglichkeit, sich einer Regionalgruppe anzuschließen oder selbst eine zu gründen, um die Genossenschaft für Gemeinwohl in ganz Österreich wachsen zu lassen. Wenn du diesbezüglich Interesse hast, schreibe uns an regionalgruppen@mitgruenden.at. Wir freuen uns über neue Kolleg*innen, Impulse und Ideen!
 

Spenden:
Solidarische Unterstützung finanzieller und ideeller Art ist uns sehr willkommen. Wenn du finanziell an uns spenden möchtest, findest du hier die Möglichkeit.
 

Akademie

Wozu die Akademie für Gemeinwohl?

Mit der Akademie kommt die Genossenschaft für Gemeinwohl ihrem Anspruch nach, das Bewusstsein über wirtschaftliche Zusammenhänge und Strukturen in der Zivilgesellschaft zu erhöhen. Genossenschaftsmitglieder, Partnerorganisationen, NGOs und die interessierte Öffentlichkeit können in der Akademie ihr Wissen – und damit ihren Handlungsspielraum – in folgenden Bereichen erweitern:

  • (Alternative) Finanzwirtschaft
  • Persönliche Finanzen (Personal Finance)
  • Gemeinwohlorientiertes Banking
  • Demokratisierung, Umverteilung und Regionalität
  • Konsum und Lebensstil